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"ich fing mit capoeira an, nachdem ich eine vorführung in der fußgängerzone von innsbruck gesehen hatte. dort zeigten ein paar recht fortgeschrittene angoleiros, wie das aussehen kann - nämlich leicht, flockig, gar nicht kämpferisch.
jetzt, einige jahre später, ist mir klar, wieviel training dahinter steckte, wieviele blasen an den füßen, wieviel schweiß und spaß.
und ich lerne auch langsam zu schweben..."

(jangoleiro, feb 2006)

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30.01.2006 | História e mentalidade - die Geschichte und Haltung

Capoeira mata um

Inzwischen hat sich ja rumgesprochen, das neue coole Ding ist Capoeira. Immer mehr wunderschöne Werbespots nutzen die Ästhetik, die von den fließenden Bewegungen der Capoeiristas ausgeführt werden. Angefangen hat wohl im deutschsprachigen Raum Mazda, allerdings nur musikalisch, mit dem "Zoom Zoom Zoom"-Thema, das eigentlich ja mit "Capoeira mata um" fortgeführt wird, "Capoeira tötet einen" wortwörtlich. Philips hat in einem Spot drei Capoeiristas um eine Fernbedienung kämpfen lassen (vermutlich ist da irgendein Sinn dahinter. Aber man muss ja nicht alles verstehen...). Und Nike zeigt eine wunderschön anzusehende junge Frau, die alleine Bewegungsabläufe trainiert, natürlich in ganz tollen Schuhen...

... und so schöne Musik!

Meistens also wird nur der Teil der Capoeira gezeigt, der den Werbestrategen ins Konzept passt, also geschmeidige Bewegungen, irgendwie gemainstreamte Percussion-Musik dazu und junge, schöne Menschen. Das ist auch der Grund dafür, dass man gern von einem brasilianischen Kampftanz spricht, und der Eindruck entsteht, dass es sich um so etwas wie Schattenboxen mit brasilianischer KlippiKlappi-Musik handelt. Dass die Capoeira ursprünglich eine Methode war, sich waffenlos gegen einen bewaffneten Gegner effektiv zu wehren, geht in dieser Medienwelt unter. Und wer das erste Mal eine Vorführung sieht, wird auch gerne diesem Eindruck erliegen. Tatsache ist, wir sind alle hundsgemeine Killermaschinen, die sich in geheimnisvollen Ritualen in der Kunst des lautlosen Tötens üben, um im passenden Augenblick... äh, wo war ich stehen geblieben?

Ja was denn nun?

Nochmal von vorne: wenn die Werbung eben auf ein "neues" Thema kommt (dabei gibt es Capoeira ja schon seit über 400 Jahren), dann schiebt das neben dem Absatz von Produkten auch immer gerne eine Welle an, und so werde ich in letzter Zeit immer häufiger angesprochen, ob mann/frau da vielleicht auch mal mitmachen könnte. Meine Antwort ist da immer recht ähnlich: ja, klar, komm doch einfach mal mit. Oft ist es aber der innere Schweinehund der Leute, der ihnen das wieder madig macht.

Selber turnen macht fit!

Dabei wäre es so leicht, Capoeira zu üben. Außer sich selbst, ein wenig Anleitung, einer Hose und einem T-Shirt braucht es nicht viel. Körperbewusstsein, eine Ahnung von Rhythmus und Taktgefühl, und die Bereitschaft, sich mal so richtig auszuschwitzen sind Zuckerl, aber es geht anfangs auch ohne. (Das mit dem Schwitzen kommt übrigens ganz von alleine) (und "ohne" bezieht sich jetzt nicht auf "ohne Hose"...)

Die Geschichte der Capoeira

Ursprünglich war Capoeira eine Verteidigungsmethode von afrikanischen Sklaven in Brasilien, die sich aus verständlichen Gründen der Sklaverei entziehen wollten. Vermutlich seit Mitte des 17. Jahrhunderts gelang manchen die Flucht, und sie versteckten sich in Quilombos, mehr oder weniger befestigten Dorfanlagen im Dschungel. Dort, aber im Geheimen auch noch während ihrer Zeit als Sklaven, begannen sie, überlieferte Methoden zur Verteidgung weiter zu entwickeln, unter der Prämisse der Waffenlosigkeit – natürlich war ihnen der Besitz von Waffen untersagt.

Als Deckmantel benutzten Sie religiöse Riten und die Musik, zu der sie sich in einem engen Kreis aufstellten, in dessen Zentrum vor allem Vorarbeiter oder Sklavenhalter nicht blicken konnten. So konnten sie dort zu zweit heimlich trainieren, wie man sich mittels Tritten, Schlägen, Finten und Ausweichbewegungen gegen andere zur Wehr setzen könnte. Die Außenstehenden spielten auf Berimbaus, Pandeiros, Agogos und Trommeln (Erklärungen findet Ihr in der "enciclopédia", links in der Navigation) einen schlichten Rhythmus und sangen zum Teil recht aufrührerische Texte zu ihrer Situation als Gefangene eines Unrechtsregimes.

Natürlich konnte das nicht allzulange verborgen bleiben, und so wurde binnen kurzem das Ausüben der Capoeira verboten, nicht selten unter Androhung der Todesstrafe. Was aber einen versklavten Menschen nicht mehr sonderlich aus der Ruhe bringt... Und so entwickelte sich die Capoeira weiter und wurde mit der Zeit eine ausgereifte Kampfsportart.

Das Verbot von Capoeira wurde bis in die 30er Jahre des letzten Jahrhunderts aufrecht erhalten, aber genau so lange ignoriert, und erst Mestre Bimba gelang es, 1937 eine offiziell genehmigte Capoeira-Schule zu installieren. In der Folge wurde Capoeira auch als besondere brasilianische Sportart immer mehr gefördert, und heute gibt es weltweit Begeisterte, die sich mit und in der Capoeira entwickeln und meistens den Gründergedanken übernehmen.